Jelena Skendzic Ratkajec über Hautbarriere, Wirkstoffe & Skincare-Hype
Interview mit Jelena Skendzic Ratkajec – Chief Executive Officer / Geschäftsführerin von Skintegra
Wenn du wissen möchtest, wie man eine geschädigte Hautbarriere repariert, was eine minimalistische Skincare-Routine wirklich enthalten sollte und welche Skincare-Mythen endlich ausgedient haben, findest du in diesem Interview konkrete und praxisnahe Antworten. Wir haben mit Jelena Skendzic Ratkajec über die Entstehung von Skintegra, die häufigsten Probleme empfindlicher und reaktiver Haut, aktive Wirkstoffe, Formulierungen und den Unterschied zwischen echtem Mehrwert und reinem Skincare-Hype gesprochen.
Kurz erklärt
- Skintegra entstand aus dem Bedarf an wirksamen und intelligent formulierten Produkten für empfindliche, reaktive und problematische Haut.
- Eine geschädigte Hautbarriere regeneriert sich meist am besten mit milder Reinigung, Feuchtigkeit, Lipiden, beruhigenden Inhaltsstoffen und täglichem SPF.
- Eine minimale Routine bringt oft bessere Ergebnisse als eine überladene Pflege mit zu vielen Produkten.
- Nicht alle Skincare-Mythen stimmen – zum Beispiel heben sich Niacinamid und Vitamin C nicht gegenseitig auf, und Vitamin C kann sehr sinnvoll in der Morgenroutine sein.
- Skincare-Hype erkennt man oft daran, dass viel über einen Inhaltsstoff gesprochen wird, aber ohne echten Kontext zu Konzentration, Stabilität und tatsächlicher Wirksamkeit.
Wer ist Jelena und was war der „Auslöser“, vom Blog zu Skintegra zu kommen? Welches war das erste Problem, das du lösen wolltest?
"Ich bin jemand, der jahrelang mit problematischer, empfindlicher und reaktiver Haut gelebt hat. Aus persönlicher Frustration heraus begann ich, mich mit Inhaltsstoffen, Formulierungen und der Wissenschaft hinter Hautpflege zu beschäftigen. Ich habe in der Beauty-Industrie gearbeitet und neun Jahre lang einen persönlichen Beauty-Blog geführt. Dieser war sehr edukativ und wissenschaftlich orientiert, und dadurch habe ich gesehen, wie viele Menschen dieselben Probleme haben – und wie sehr sie vom Markt verunsichert und von großen Versprechen ohne faktische Grundlage beeinflusst werden.
Der Auslöser für Skintegra war der Moment, in dem mir klar wurde, dass dem Markt chronisch wirksame, intelligent formulierte Produkte für anspruchsvolle Haut fehlen – ohne Marketing-Nebel. Das erste Problem, das ich lösen wollte, war: Wie beruhigt man entzündete, dehydrierte und zu Akne neigende Haut, ohne aggressiv vorzugehen? Genau so eine Haut hatte ich selbst, und ich wusste, dass es eine große Community von Menschen mit denselben Problemen gibt. Diese Menschen wurden zu meinen ersten Kund:innen, und die Qualität der Produkte sprach sich gerade durch ihre persönlichen Erfahrungen herum."
Welche Tests und Standards durchlaufen Skintegra-Produkte vor der Markteinführung?
"Jedes Produkt muss vor der Markteinführung deutlich mehr durchlaufen als nur ein angenehmes Hautgefühl. Dazu gehören:Stabilitätstests der Formulierung mikrobiologische Sicherheits- und Challenge-Tests
Kompatibilität von Verpackung und Formulierung Sicherheitsbewertung gemäß EU-Regulierung und Erstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentation
dermatologische Tests, wenn anwendbar (wir führen sie bei allen Skintegra-Produkten durch, bevor die Formeln auf den Markt kommen) Rohstoffkontrolle und Rückverfolgbarkeit der LieferantenFür uns ist wichtig, dass ein Produkt nicht nur trendy und attraktiv im Regal aussieht, sondern auch Monate nach dem Kauf sicher, konsistent und wirksam bleibt."
Welche Skintegra-Produkte sind am gefragtesten und für wen sind sie geeignet?
"Am häufigsten werden Produkte gesucht, die reale, alltägliche Hautprobleme lösen oder die Basis einer guten Pflegeroutine bilden. Dazu gehören:
Cica-Cera: eine Creme zur Wiederherstellung der Hautbarriere; außerdem Spectra für empfindliche Haut, die gleichzeitig reaktiv ist und keine zu okklusiven Formulierungen mag (zum Beispiel wird sie von Männern nach der Rasur besonders geschätzt), außerdem Amphibian und Atomic als Double-Cleanse-Duo sowie die Retiron-Linie für Hauttextur, Akne und Anti-Aging-Ziele.
Ich glaube nicht an „das beste Produkt für alle“. Jedes Produkt hat seine ideale Nutzerin oder seinen idealen Nutzer. Ich würde mir wünschen, dass Menschen SPF konsequenter verwenden, aber es scheint mir, dass UV-Schutz für viele immer noch optional und saisonal ist."
Wie repariert man eine geschädigte Hautbarriere und wie lange dauert das realistisch?
"Eine geschädigte Hautbarriere ist eines der häufigsten Themen in der modernen Hautpflege, besonders bei empfindlicher, reaktiver und überpflegter Haut. Im Folgenden erklärt Jelena, was man zuerst aus der Routine streichen sollte und wie lange die Regeneration realistisch dauert.
Zuerst sollte man aufhören, das zu tun, was sie geschädigt hat: übermäßiges Peeling, zu viele aktive Inhaltsstoffe, Austrocknung und ständiges Experimentieren.
Danach liegt der Fokus auf: milder Reinigung, Feuchtigkeit und Lipiden (Ceramide, Squalan, Fettsäuren), beruhigenden Inhaltsstoffen und letztlich einem täglichen SPF, der in Textur und Zusammensetzung zur Haut passt.Wenn die Schädigung mild ist, sieht man innerhalb von 1–2 Wochen eine Verbesserung.
Wenn die Haut chronisch gereizt, reaktiv oder mit aktiven Wirkstoffen überlastet ist, braucht es oft 2–3 Monate Disziplin, also mehrere Zyklen der Zellerneuerung. Das größte Problem ist Ungeduld – die Leute fangen gut an und führen dann viel zu früh wieder alles auf einmal ein."
Minimalistische Skincare-Routine: Was braucht die Haut morgens und abends wirklich?
"Eine minimale Pflegeroutine ist oft die beste Lösung für Menschen mit empfindlicher Haut, geschädigter Hautbarriere oder für alle, die sich eine klare und realistische Routine wünschen. So sieht Jelena das.
Morgens:
milde Reinigung oder nur Wasser (je nach Hauttyp)
hydratisierendes Serum / Creme nach Bedarf
SPF 30+ oder 50 – je nach Phototyp und UV-Belastung
Abends:
gründliche, aber milde Reinigung, die in 1 oder 2 Schritten erfolgen kann – je nachdem, ob schweres Make-up, wasserfeste Produkte usw. verwendet werden
gezielter Wirkstoff (wenn nötig und wenn die Haut ihn verträgt)
eine Creme zur Wiederherstellung der Hautbarriere
Wenn man drei gute Schritte hat und sie regelmäßig anwendet, ist das oft mehr als bei jemandem mit 11 Produkten.
Welche Inhaltsstoffe sollte man nicht kombinieren: Retinol, AHA/BHA und Vitamin C – was ist Mythos und was ist sinnvoll?
"Das ist eines der Themen, das Menschen beim Aufbau einer Wirkstoffroutine besonders beschäftigt. Statt pauschaler Verbote betont Jelena den Kontext, die Hauttoleranz und die tatsächliche Reaktion der Haut nach der Routine.
Der Mythos ist, dass man „niemals etwas kombinieren darf“. Die Wahrheit ist nuancierter.
Regeln, die Sinn ergeben:
Retinoid + starke AHA/BHA-Säuren am selben Abend = viel zu viel für durchschnittliche Haut
das schichtweise Auftragen mehrerer Exfoliants = unnötig und schädigt die Hautbarriere
hochpotente Produkte (z. B. Ascorbinsäure) gemischt mit anderen keratolytischen / komedolytischen Wirkstoffen = unnötig
Die generelle Regel lautet: Wenn die Haut nach der Routine brennt, gerötet ist und spannt, ist die Routine schlecht – unabhängig von jeder Theorie über „richtiges“ Kombinieren.Skincare-Mythen entstehen oft aus veralteten Informationen, die jahrelang ungeprüft wiederholt werden. Einer davon ist die Behauptung, dass sich Niacinamid und Vitamin C „gegenseitig aufheben“. Das ist nachweislich nicht wahr. Dieser Mythos stammt aus der alten Annahme, dass Niacinamid unter Bedingungen hydrolysiert, die für moderne kosmetische Formulierungen nicht relevant sind, und diese Interpretation wurde später widerlegt.
Ein weiterer häufiger Mythos ist, dass Vitamin C morgens nicht verwendet werden darf. Genau im Gegenteil: Vitamin C kann in der Morgenroutine sehr sinnvoll sein, weil es den antioxidativen Schutz der Haut stärkt und die photoprotektive Wirkung von SPF-Produkten ergänzt.
Der dritte, vielleicht gefährlichste Mythos ist die Vorstellung, dass eine starke Routine, Brennen oder Reizung bessere Ergebnisse bedeuten. Das ist ein falsches Denkmuster, das sehr häufig zu einer geschädigten Hautbarriere, Empfindlichkeit, Rötungen und langfristigen Problemen mit der Hauttoleranz führt. Eine wirksame Routine muss nicht aggressiv sein, um Ergebnisse zu liefern."
Woran erkennt man Skincare-„Hype“ und nach welchen Kriterien wählt ihr aktive Inhaltsstoffe für Formulierungen aus?
"In der Skincare-Welt kommen Trends sehr schnell – aber nicht jeder Trend bringt echten Mehrwert. Genau deshalb ist es wichtig zu verstehen, was hinter einem Inhaltsstoff steckt und nicht nur, wie populär er gerade ist.
Hype erkenne ich dann, wenn alle über einen Inhaltsstoff sprechen, aber nur wenige erklären, in welcher Konzentration er tatsächlich wirkt, in welcher Form er stabil ist, womit er sinnvoll kombiniert werden kann, für wen er wirklich geeignet ist und ob dahinter echte Daten stehen oder nur ein kurzfristiger Trend. Heute entsteht sehr leicht der Eindruck, dass ein Inhaltsstoff wundersam sei, dabei fehlt oft genau der Kontext, der für seinen tatsächlichen Wert entscheidend ist.
Wenn wir aktive Inhaltsstoffe für eine Formulierung auswählen, orientieren wir uns daran, dass es dafür eine ernsthafte wissenschaftliche Grundlage gibt, dass sie sich stabil, wirksam und angenehm formulieren lassen und dass der oder die Anwender:in einen konkreten Nutzen auf der Haut spürt – und nicht nur einen attraktiven Marketing-Claim auf der Verpackung liest. Das Ziel ist nicht, den lautesten Inhaltsstoff zu haben, sondern das beste Produkt zu entwickeln."
Was sollte man aus diesem Interview mitnehmen?
Dieses Interview mit Jelena Skendzic Ratkajec zeigt einige wichtige Dinge: Gute Hautpflege muss nicht aggressiv sein, eine geschädigte Hautbarriere braucht Geduld und Disziplin, und Skincare-Trends sollte man immer im Zusammenhang mit Formulierung, Stabilität und tatsächlicher Wirkung auf der Haut betrachten. Statt einer überladenen Routine und ständigem Experimentieren kommt das beste Ergebnis oft durch Einfachheit, Konsequenz und ein besseres Verständnis der eigenen Haut.
FAQ
Wie repariert man eine geschädigte Hautbarriere?
Laut dem Interview ist der erste Schritt, mit dem aufzuhören, was die Hautbarriere geschädigt hat – zum Beispiel übermäßiges Peeling, zu viele aktive Inhaltsstoffe und ständiges Experimentieren. Danach liegt der Fokus auf milder Reinigung, Feuchtigkeit, Lipiden, beruhigenden Inhaltsstoffen und SPF.
Wie lange dauert die Regeneration der Hautbarriere?
Bei einer leichten Schädigung kann man innerhalb von 1–2 Wochen eine Verbesserung sehen. Bei chronisch gereizter und reaktiver Haut kann die Regeneration 2–3 Monate dauern.
Was sollte eine minimalistische Skincare-Routine wirklich enthalten?
Morgens reichen oft milde Reinigung oder Wasser, ein hydratisierendes Serum oder eine Creme und SPF. Abends sind milde Reinigung, ein gezielter Wirkstoff bei Bedarf und eine barrierestärkende Creme wichtig.
Darf man Retinol, AHA/BHA und Vitamin C kombinieren?
Es gibt keine Regel, dass man „niemals etwas kombinieren darf“, aber bestimmte Kombinationen können für durchschnittliche Haut zu viel sein. Besonders vorsichtig sollte man bei Retinoiden und starken Säuren am selben Abend sowie bei mehreren Exfoliants übereinander sein.
Heben sich Niacinamid und Vitamin C gegenseitig auf?
Nein. Im Interview wird klar gesagt, dass das ein veralteter Mythos ist, der auf moderne kosmetische Formulierungen nicht zutrifft.
Darf man Vitamin C morgens verwenden?
Ja. Vitamin C kann morgens sehr sinnvoll sein, weil es den antioxidativen Schutz der Haut stärkt und SPF ergänzt.
Bedeutet Brennen, dass ein Produkt wirkt?
Nein. Brennen, Rötungen und Spannungsgefühle sind oft eher ein Zeichen dafür, dass die Routine zu aggressiv ist und von der Haut nicht gut vertragen wird.
Woran erkennt man Skincare-Hype?
Skincare-Hype erkennt man oft daran, dass viel über einen Inhaltsstoff gesprochen wird, ohne echte Einordnung zu Konzentration, Stabilität, Kombinationen und belastbaren Daten.
Welche Skintegra-Produkte sind besonders gefragt?
Im Interview werden Cica-cera, Spectra, Amphibian, Atomic und die Retiron-Linie genannt – je nach Hautbedürfnis und Pflegeziel.
Wer ist Jelena Skendzic Ratkajec?
Jelena Skendzic Ratkajec ist Chief Executive Officer / Geschäftsführerin von Skintegra. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrung, ihren Zugang zu Formulierungen und ihre Sicht auf Hautpflege.
Hinweis
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken oder anhaltenden Hautproblemen solltest du diese dermatologisch oder ärztlich abklären lassen.